Das erste Großprojekt

Als Mitte der 1990er-Jahre Aufsichtsrat und Vorstand auf die Brockhaus-Redaktion zukamen mit dem Auftrag, mehrere Reihen zu entwickeln, die insgesamt praktisch das gesamte universitäre Themenspektrum abbilden sollten, war das der Anfang eines einzigartigen, faszinierenden Projekts. 36 Bände in sechs Reihen sollten es insgesamt werden.

Für die Reihe „Kunst und Kultur“ hatte ich, anfangs zusammen mit meinem Vorgesetzten, Dr. Rudolf Ohlig, die Projektleitung inne. Diese Reihe sollte alle Gebiete der Kulturwissenschaften abdecken, inhaltlich höchstes Niveau (Brockhaus eben) halten, aber der Form nach anschaulich und ohne Weiteres zugänglich auch für jeden Laien sein.

Um diesen Anspruch zu erfüllen, entschlossen wir uns zum einen zu einer opulenten Bebilderung, die nicht einfach nur illustrieren, sondern darüber hinaus auch im besten Sinne des Wortes visualisieren sollte. Die insgesamt 7000 Abbildungen kauften wir in aller Welt ein. Das war mitunter äußerst aufwendig und erforderte recht viel Kreativität: Ich erinnere mich, dass wir mehrfach Reinigungskräfte einspannten, damit sie zum Beispiel im Archäologischen Nationalmuseum in Istanbul anriefen, um die zugesagten Diasendungen einzufordern.

Das Autorenverzeichnis liest sich noch heute wie ein Who’s Who der Kulturwissenschaften: Jan Assmann, Gerhard Bosinski, Horst Bredekamp, Stephan Füssel, Horst Günther, Dieter Langewiesche, Peter Lösche, Wolfgang J. Mommsen, Hartmut Rosa, Annemarie Schimmel, Hans-Jürgen Schings sowie annähernd 200 weitere Wissenschaftler von internationalem Renomme arbeiteten an der Reihe mit. Bis auf wenige Ausnahmen durfte man den Eindruck haben, dass Ihnen die Arbeit genau so viel Spaß machte wie uns.

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